Nina William Écrivaine

 

 












Das Samenkorn

öffnet sich,
Wurzeln durchdringen bald die Erde,
ein Keimling wächst dem Himmel entgegen
und wird zur Blume.

Die Blume erfreut die Menschen, die Bienen, die Schmetterlinge…
Sie spürt den Wind, die Sonne, den Regen.
Den Wind, der mit ihr spielt,
sie hin und her wiegt wie eine Mutter ihr Kind,
aber auch ihre zarten Blätter zerzaust.

Sie spürt die Sonne, die sie erleuchtet, Kraft ihr gibt,
aber auch ihre Blütenblätter verbrennt.
Sie spürt den Regen, der ihren Durst stillt,
aber auch ihre Seele weinen lässt.

Die Blume steht in voller Blüte,
in vollkommener Schönheit.
Die Zeit vergeht, die Blume welkt,
glanzlos werden ihre Blüten,
runzelig wie gealterte Haut.

Die Schönheit der Blume verblasst,
ihr Leben neigt sich dem Ende,
sie fällt in sich zusammen,
sucht den erdigen Boden und wird zu Staub.

Doch es bleiben ihre Wurzeln
ruhend in der Erde.

In dieser wundersamen Ruhe
beginnt ein neues Leben,
und zu einer Zeit
spriesst durch die Erde
ein neuer Keim,
wieder zur Blume werdend,
aus dem ewigen Samenkorn.

Auch ich bin ein Samenkorn.

Und Du.